Woran erkenne ich seriöse Mantrailinggruppen?

Nachfrage schafft Angebote, leider sind diese oft mehr als unseriös. In diesem Artikel möchte ich dir gerne näher bringen, wie du eine kompetent geführte Mantrailinggruppe finden und ein tolles Hobby mit deinem Vierbeiner genießen kannst.

Der/die Trainer/in
Wo hat er/sie seine/ihre Ausbildung genossen? Klar ist es toll, wenn jemand schon jahrelang mit seinem eigenen Hund Mantrailing betreibt, aber das reicht nicht wirklich aus um sich Trainer/in nennen zu können. Seriöse Anbieter/innen bilden sich ständig weiter, beispielsweise durch Seminare oder Workshops.
Individuelles Arbeiten ist sehr wichtig. Hat der/die Trainer/in nur eine einzige Methode oder passt er/sie die Übungen speziell auf den Hund an? Sicherlich hat jeder Mensch seine Lieblingsmethoden, aber wir haben ja nun mal keinen Hund von der Stange, sondern unseren ganz speziellen. 😉
Erkennt der/die Trainer/in Stressanzeichen bei Hund und Halter/in und reagiert er angemessen darauf? Bei diesem Thema macht die Dosis das Gift. Stress kann sich positiv und negativ auf das Training auswirken.

Ein Hund darf sich natürlich auf das Hobby freuen (guter Stress) und dies auch zeigen. Hunde lernen immer – bei jedem Verhalten und jeder Situationen verknüpfen sie die Emotion, die sie in der Situation hatten. Freude soll unbedingt zum Mantrailing gehören.

Jedoch sollte der Hund nicht völlig überdreht über den Trail rennen, das ist zu viel Stress und wäre die falsche Assoziation. Außerdem hat Stress viele Nebenwirkungen: beispielsweise kann dadurch die Frustrationstoleranz herabgesetzt und die Impulsivität erhöht werden. Vom Stress überwältigt kann der Hund dann nicht mehr seine volle LeistunDSC02807-2g zeigen und im schlimmsten Fall muss der Trail abgebrochen werden. Er verknüpft dieses unangenehme Gefühl besonders mit den Dingen, die diese Situationen gemeinsam haben: Mantrailing und sein/seine Halter/in! Eine blöde negative Verknüpfung, die definitiv nicht sein muss.
Ist dem/der Trainer/in die Umgebung bekannt? Natürlich kann auch der/die Trainer/in nicht alles wissen und es kann immer mal wieder zu unvorhergesehenen Problemen wie Baustellen oder anderen neuen Begrenzungen kommen. Ist er/sie aber planlos und hat keine wirkliche Orientierung, hat er/sie sich offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet, was auf eine eher unprofessionelle Arbeitseinstellung schließen lässt.
Klar ist es wünschenswert, wenn der/die Trainer/in die Strecken kennt und zuverlässig seinen Weg findet. Sind es aber immer wieder die gleichen, wird es schnell langweilig – für Hund und Halter/in. Abwechslungsreiche Gebiete gehören fest in den Trainingsplan.

Das Trailzubehör
Die eigentliche Suche sollte ausschließlich am Geschirr stattfinden! Einen Hund bei der Suche am Halsband zu führen, kann schwerwiegende Verletzungen nach sich ziehen. In den Pausen kann ein leinenführiger Hund natürlich auf ein Halsband umgeleint werden, es sollte aber wirklich nur bei sehr gut erzogenen und entspannten Hunden gemacht werden.
Die Geschirre sollten gut sitzen und nicht zu klein sein, einschneiden oder auf die Luftröhre drücken. Die Gelenke, Muskeln usw. sollten sich ungehindert bewegen können. Gerade bei Hunden, die stark ziehen, solltest du darauf achten, dass die Schultern nicht durch das Geschirr belastet werden, die Wirbelsäule in keine unnatürliche Position gedrückt wird und der Brustkorb sich frei entfalten kann. Besonders beliebt sind Zughundgeschirre oder spezielle Trailgeschirre. Auch diese sollten von einem/einer Experten/in angepasst werden.
Zum Trainingszubehör gehören auch Napf und Wasser. Dieses sollte den Hunden entweder ständig zur Verfügung stehen oder immer wieder angeboten werden.
Festes Schuhwerk ist ein Muss! Auch im Sommer sollten weder Trainer/in noch Hundeführer/in in Flip-Flops und Co. herumlaufen, ein sicherer Halt muss aus Sicherheitsgründen dauerhaft gewährleistet sein.
Warnwesten für die Menschen gehören auch dazu. Gerade in der dunklen Jahreszeit sollten auch die Hunde beleuchtet sein oder ebenfalls eine Warnweste tragen. Zu leicht werden sie sonst von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen.

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Das Training
Heutzutage sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dennoch möchte ich es an dieser Stelle nochmal betonen: Training über positive Verstärkung ist das A und O! Leider ist Strafe auch in vielen Mantrailgruppen noch ein Thema und das sollte nicht so sein.

Solltest du beim Training folgendes sehen, such dir bitte eine neue Gruppe: Schlagen, Knuffen, Zwicken, Zischen, Hemmen, Bedrängen, Einschüchtern, Schnauzgriff, Alphawurf oder eine Stimmlage, die einem Kasernenhofton gleichkommt.

Solche Methoden sind nicht mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft in der Hundeerziehung zu vereinbaren.

Wie lange ein Trail dauert bzw. dauern sollte, hängt ganz vom Hund ab. Die Anfänge sollten kurz und erfolgreich gehalten werden. Später kann ein Trail, je nach Trainingsstand, auch deutlich länger gehen. Es ist zu beachten, dass der Vierbeiner eine große physische Anstrengung erlebt. Schnell kann es dadurch zu Überforderung kommen und dadurch zu Frust bei Hund und Halter/in. Darum sollte das Training kleinschrittig aufgebaut sein und nicht zu schnell, zu viel von dem Tier gefordert werden.

Ziel beim Mantrailing ist es, dass der Hund eigenständig arbeitet. Der Weg sollte also nicht „vorgesagt“, sondern selbst gefunden werden. Bei manchen Trainern/innen habe ich erlebt, dass er/sie einen/eine Halter/in, dessen Hund die Kreuzung abcheckt, schnell mit einem „Geh da nicht so weit“ oder „Der sucht gar nicht mehr, sondern macht Privatkram“ ausgebremst. Wird der Hund immer wieder durch so etwas gestoppt, lernt er schnell: Ich muss gar nicht selbst suchen, wenn ich falsch gehe, sagen mir die Menschen das schon. Lassen Sie sich bei solchen Aussagen die genaue Begründung mitteilen und testen Sie auch gerne mal, ob ihr Hund auch ohne ihr Zutun den richtigen Weg finden würde.
Jeder Hund hat außerdem seinen eigenen Suchstil. Vielleicht ist er einfach nur sehr gründlich und möchte einfach ganz sicher sein, dass es in 30m auf wirklich keine (oder nur wenige) Geruchspartikel gibt. Dies sollte von dem/der Trainer/in erkannt und individuell gefördert werden.

Nach erfolgreicher Arbeit sollte der Hund entspannen können, um das Gelernte im Gehirn abzuspeichern. Hierfür bietet sich das Auto als ruhiger Rückzugsort an. Nach der Arbeit noch viel zu erleben, behindert die Abspeicherung der neuen Informationen und somit die Ausbildung.
Beim Trailen in einer Gruppe, kann die Wartezeit auch mal länger dauern. Meiner Meinung nach sind zwei bis höchstens drei Stunden das absolute Maximum. Gerade Hunde, die es nicht gewohnt sind, sollten langsam an diese Zeiten herangeführt werden.
Wartezeiten von vier Stunden und mehr im Auto (bei normalen Trainingsveranstaltungen und nicht als Ausnahmezustand wie beispielsweise auf Seminaren) sind meiner Meinung nach tierschutzrelevant!

Die Boxen sind meist zu klein, gerade wenn mehrere Hunde darin liegen. Individuelle Wohlfühldistanz wird schnell unterschritten. Auch das verliebteste Pärchen braucht mal Platz für individuellen Freiraum – bei Hunden ist das nicht anders.

Bei Einzelhaltung ist es gerade die Isolation, die dem Tier zu schaffen macht. Auch wenn es nicht direkt gezeigt wird, ist kein Hund gerne allein. Diese hochsozialen Tiere sind dazu gezüchtet worden, uns zu begleiten. Dieser Stress ist vermeidbar, außerdem soll ein Hobby allen Spaß machen.
Das Wetter spielt beim Training eine große Rolle. Bei starker Hitze, Sturm oder gravierender Kälte sollte nicht gearbeitet werden, da das gesundheitliche Risiko für die Hund zu groß ist.

Nun hast du einige „Dos and Don’ts“ im Mantrailbereich kennen gelernt. Bitte bedenke das: nicht nur der Hund etwas lernen muss, sondern auch die Halter/innen. Geduld und eine saubere Planung des Trainings sind die Basis jedes guten Hundetrainings. Lege keinen übertriebenen Ehrgeiz an den Tag und achten darauf, dass der Hund sich wohlfühlt.

Wenn du auf der Suche nach einer neuen Gruppe oder sich bei deiner bisherigen nicht mehr so sicher bist, gleiche das Training mit dieser Liste ab. Bei Fragen oder Unsicherheiten stehe ich dir auch gerne per Mail zu Verfügung.

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